Digitale Beweismittel im Strafverfahren

Phoenix-FabelwesenStatt „auf die schnelle Art viel Geld zu verdienen“, wie es in den Prospekten beworben wurde, haben rund 30.000 Kunden der Phoenix Kapitaldienst GmbH in den Jahren 1999 – 2005 ihr Geld verloren. Das Ende der Geschichte ist bekannt: Insolvenz des Unternehmens, Haftstrafen für die Führungskräfte und seit Sommer 2015 auch Entschädigung für die betrogenen Anleger. In vieler Hinsicht ein denkwürdiger Fall. Und ein Beispiel, wie Computer Forensiker durch Datenauswertung – insbesondere durch die Wiederherstellung gelöschter Daten – Beweismittel für das Strafverfahren gewinnen konnten.

Zur Erinnerung: Die Phoenix Kapitaldienst GmbH hatte Kapitalanlagemöglichkeiten angeboten und den Anlegern gegenüber hohe Gewinne vorgetäuscht. Zur Unterlegung der angeblichen Renditen bis zu 20 Prozent wurden jahrelang Kontoauszüge eines fiktiven Kontos gefälscht. Die Fälschung kam erst nach dem Flugzeugabsturz des Gründers Dieter Breitkreuz im Jahr 2004 ans Licht. Mit dem Schneeballsystem wurden über 30.000 Anleger geschädigt. Der Gesamtschaden liegt bei rund 600 Millionen Euro. (Quelle: Schultze & Braun)

Im Strafverfahren gegen den Prokuristen Michael Milde und die Geschäftsführerin Elvira Ruhrauf war zu klären, wer diese Dokumente gefälscht hatte. Durch die Rekonstruktion gelöschter Dateien auf dem PC des Chefhändlers bei Phönix und deren inhaltlicher Analyse ergab sich, dass er die Dokumente gefälscht hatte. Im Strafprozess legte er ein umfassendes Geständnis ab. Er gab an, diese Berichte zusammen mit dem Alleingesellschafter Breitkreuz gefälscht zu haben.

Anhand der gezogenen Arbeitskopien suchten die Computer-Forensik-Spezialisten nun nach gelöschten Daten und Dokumenten und stellten diese wieder her. Daraufhin wurden sowohl die so genannten „aktiven Daten“, also Dateien, die auch vorher schon zur Verfügung standen, als auch die gelöschten Dateien extrahiert und nach Dateityp sortiert. Zusammen mit einer Auflistung in Excel-Tabellen wurden diese Dateien dem Insolvenzverwalter zur Durchsicht überreicht.

(Quelle: Kroll Ontrack)

2006 verurteilte das Landgericht Frankfurt am Main daher den Prokuristen Milde wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu sieben Jahren und vier Monaten und die Geschäftsführerin Ruhrauf wegen Untreue zu zwei Jahren und drei Monaten Haft (Quelle: Spiegel).