Mehr Computerbetrug

fishingAm 27.07.2016 stellte das Bundeskriminalamt das Bundeslagebild Cybercrime 2015 vor, in dem es Schwerpunkte der Verfolgung von IT-Straftaten zusammenfasst. Danach bleibt die digitale Identität ein begehrtes Diebesgut. Drei Phänomene hebt das BKA besonders hervor:

  • das Erlangen von Internet-Nutzerdaten durch Phishing-Attacken,
  • den Verkauf der Daten auf Online-Marktplätzen, sog. Datenhehlerei,
  • die spätere Verwendung der Kontoanmeldeinformationen, um Waren online zu bezahlen oder Überweisungen vom fremden Konto zu tätigen, sog. Computerbetrug.

Computerbetrug führt die Kriminalstatistik an

Die Fälle von Computerbetrug haben im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 % zugenommen und bilden mit fast 24.000 in Deutschland begangenen Taten die überwiegende Mehrheit aller erfassten Cybercrime-Straftaten.

Cybercrime2015

(Quelle: Bundeslagebild Cybercrime 2015)

Obwohl das Erlangen wie auch das Verwenden der Daten strafbar ist, wird die Verwendung – strafbar als Computerbetrug gem. § 263a StGB – weit häufiger verfolgt. Denn der Geschädigte bemerkt oft nicht, dass ein Fremder durch den Einsatz von Schadsoftware oder durch eine Phishing-Attacke seine privaten Daten kennt. Wenn der Täter die Daten aber für Transaktionen im Onlinebanking oder durch den Einsatz gefälschter Zahlungskarten am Geldautomaten nutzt, sieht der Geschädigte die Verringerung seines Kontoguthabens und wendet sich an die Polizei.

Der Computerbetrug ist nicht auf den Zahlungsverkehr beschränkt. Das BKA beschreibt weitere Begehungsweisen:

In einem Fall gelang es unbekannten Tätern im Oktober 2015, eine Telefonanlage einer Hochschule anzugreifen. Innerhalb eines Wochenendes wurden ca. 12.000 Telefon-Verbindungen in den Tschad und nach Ascension, Liberia und Guinea Bissau mit einer Verbindungsdauer von insgesamt ca. 80.000 Minuten über eine Nebenstellennummer aufgebaut und dadurch ein Schaden von ca. 120.000 Euro verursacht.

Im Jahr 2015 registrierten die Strafverfolgungsbehörden erneut steigende Fallzahlen bei betrügerischen Buchungen von Onlinetickets der Deutschen Bahn unter Verwendung widerrechtlich erlangter Kreditkartendaten, welche dann in Bereicherungsabsicht Reisenden deutlich unter Wert angeboten wurden. Entsprechende Angebote wurden über die Internetauftritte von Mitfahrzentralen, über Auktionsplattformen oder über eigens eingerichtete Webseiten platziert. Es entstand ein Schaden in Millionenhöhe.

(Quelle: Bundeslagebild Cybercrime 2015)

Durchschnittlicher Schaden von 4.000 EUR

Konzentriert man sich bei den verschiedenen Begehungsweisen des Computerbetrugs auf die Erlangung von Kontoinformationen durch Phishing und die kriminelle Verwertung dieser Daten durch Online-Überweisungen, bleiben 5.000 polizeilich ausermittelte Fälle im letzten Jahr mit einer durchschnittlichen Schadenssumme von rund 4.000 Euro pro Fall.

Phishing

 

 

 

 

 

 

 

(Quelle: Bundeslagebild Cybercrime 2015)