Haftbefehle gegen kinox.to Betreiber

Kastriot Selimi

Gegen die Selimi-Brüder wurde Haftbefehl erlassen und nun international gefahndet. Sie sollen vom Kinderzimmer ihres Elternhauses in Lübeck aus das Portal kinox.to betrieben haben, das am 10.07.2011 als „offizieller Nachfolger“ der nur wenige Wochen zuvor vom Netz genommenen Webseite kino.to in Erscheinung trat. Das Portal hat ca. 200.000 Nutzer pro Tag und belegt damit Platz 34 der beliebtesten deutschen Webseiten (Quelle: SimilarWeb).

Der vorliegende erste Beitrag zu kinox.to fasst den Stand des Verfahrens zusammen. Im zweiten Beitrag wird die Strafbarkeit der Betreiber, im dritten Beitrag die Strafbarkeit der Nutzer des Streaming-Portals untersucht.

Die Brüder Kastriot und Kreshnik Selimi stehen im dringenden Tatverdacht, als Gründer und Rädelsführer einer kriminellen Vereinigung im Zusammenhang mit dem Betreiben des Raubkopienportals kinox.to spätestens seit dem 21. Juni 2011 und ihrer Filehoster freakshare.com und bitshare.com bereits seit spätestens 2009 Straftaten, wie Räuberische Erpressung, Nötigung, Brandstiftung, Urheberrechtsverletzung und Steuerhinterziehung, begangen zu haben.

(Quelle: Polizei Sachsen).

Strafanzeige der GVU

Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt auf eine Strafanzeige der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen hin gegen die Selimi-Brüder:

Hinweise auf die jetzt Beschuldigten gewann die GVU in einem anderen Verfahren im Jahr 2011. Dieses richtete sich gegen die mutmaßlichen Verantwortlichen des illegalen, gamesspezifischen Download-Portals Rom-Freaks.net. Intensive Recherchen und Vorermittlungen begründeten einen Anfangsverdacht, nach dem dieselben Personen neben Rom-Freaks.net auch die Online-Speicherdienste Bitshare und Freakshare betreiben könnten. Mehrere Indizien deuteten außerdem darauf hin, dass diese Gruppe zusätzlich noch diverse weitere illegale Online-Angebote sowie einen eigenen Werbedienstleister verantwortete. Mit diesen Erkenntnissen stellte die GVU am 8. Oktober 2012 in Lübeck Strafantrag gegen die heute Flüchtigen.

(Quelle: GVU)

Schwierige Ermittlungen

Die Ermittler brauchten drei Jahre, um die ersten Hinweise zu einem dringenden Tatverdacht gegen konkrete Personen zu verdichten, da Informationen über Domain-Besitzer und Serverbetreiber fehlten.

Die Domain Kinox.to hat die Länderkennung des Inselstaats Tonga. Dessen Zulassungsbehörde Tonic gilt als besonders diskret. Die Whois-Informationen, welche die Kontaktdaten der Domain-Besitzer listen sollten, enthält keine Hinweise.

Auch der Server ist dem Zugriff der Ermittler entzogen. Der Serveranbieter soll Akrino heißen und auf den British Virgin Islands registriert sein. Es gibt jedoch Hinweise, dass er zum Russian Business Network gehört. Über Proxy-Dienste wird der Standort der Server zusätzlich verschleiert.

Die Inhaber des Filehosters Bitshare.com verwischten ebenfalls ihre Spuren durch Nutzung des Anonymisierungsdienstes Whoisguard mit Sitz in Panama. Zeitweise waren fiktive Personen als Domain-Inhaber eingetragen.

Durchsuchung in Lübeck

Am 27.10.2014 führten die Ermittler die ersten offenen Maßnahmen im kinox.to-Verfahren durch:

Eine Spezialeinheit stürmte ein Wohnhaus in einem Ort nahe Lübeck, in dem die Hauptbeschuldigten, zwei Brüder im Alter von 25 und 21 Jahren, bei ihren Eltern leben. Die Staatsanwaltschaft wirft den Brüdern, die nicht angetroffen wurden, neben gewerbsmäßiger Urheberrechtsverletzung und Steuerhinterziehung auch räuberische Erpressung und Brandstiftung vor. Zwei weitere Haftbefehle gegen führende Köpfe wurden im Raum Neuss und in Düsseldorf vollstreckt.

(Quelle: Spiegelonline)