Rechtsanwältin Nadeborn über Computerbetrug – Interview auf Russisch

Das russischsprachige Online-Portal der Deutschen Welle berichtet am 05.12.2018 über ein Verfahren gegen insgesamt sieben Bandenmitglieder osteuropäischer Abstammung wegen Computerbetrugs vor dem Landgericht Berlin mit einem Schaden von rund 750.000 € und sprach dazu mit Rechtsanwältin Diana Nadeborn, die laut Anklage den Kopf der Bande vertritt.

Steigende Fallzahlen

Computerbetrug bleibt der praxisrelevanteste Tatbestand des Cybercrime. Das lässt sich dem am 27.09.2018 vom Bundeskriminalamt veröffentlichten Cybercrime Bundeslagebild 2017 entnehmen. Die Polizeiliche Kriminalstatistik wies 2017 insgesamt 85.960 Straftaten von Cybercrime im engeren Sinne aus. Drei Viertel davon (63.939 Fälle) wurden als Fälle von Computerbetrug registriert. In diesem Deliktsfeld ist ein weiterer Anstieg von 9,1 % zu verzeichnen.

(Quelle: BKA, Cybercrime Bundeslagebild 2017, S. 7)

Auch der wirtschaftliche Schaden im Bereich Computerbetrug stieg von 50,9 Mio. Euro im Jahr 2016 auf 71,4 Mio. Euro im Jahr 2017. Die durchschnittliche Schadenssumme in dem Teilbereich „Phishing im Zusammenhang mit Onlinebanking“ betrug rund 4.000 Euro pro Fall.

Organisierte Kriminalität und Crime-as-a-Service

Zur Begehungsweise beobachtete das Bundeskriminalamt einerseits, dass auch Gruppierungen der Organisierten Kriminalität die typischen Cybercrime-Delikte von Computerbetrug über Angriffe auf das Onlinebanking bis hin zur Verbreitung von Ransomware mit dem Ziel der digitalen Erpressung begehen. Zugleich spielen digitale Marktplätze bei der Begehung von Straftaten im Bereich Cybercrime eine weiter ansteigende Rolle. Hier werden u.a. Zugangsdaten zum Online-Banking angeboten.

So kann durch die kriminellen Dienstleistungen in Form einer Auftragsarbeit der gesamte Prozess – von der Beratung des
„Kunden“ über die Auswahl einer Sicherheitslücke, der Anpassung der Schadsoftware, der Einbringung der Malware auf dem Zielsystem bis hin zur Organisation der inkriminierten Geldströme – an spezialisierte Dienstleister abgegeben werden. Eigene technische Fähigkeiten des „Kunden“, also des Kriminellen, der diese Werkzeuge dann beispielsweise für Cyber-Angriffe nutzt, sind kaum mehr erforderlich.

(Quelle: BKA, Cybercrime Bundeslagebild 2017, S. 24)